Wer flüstert, der lügt

Immer wieder begegnen mir und begegneten mir im Laufe der Jahre die so genannten Hundeflüsterer.

Darunter ganz bekannte, wie der Herr aus Mexiko, aber auch äußerst unbekannte Personen aus kleinen Dörfern auf dem Lande. Warum erfreut sich dieser Name, bzw. diese Bezeichnung eigentlich so großer Beliebtheit?

Betrachten wir uns doch zuerst einmal neutral den Namen und beleuchten dann, ob hier denn tatsächlich geflüstert wird, ober ob der altbekannte Spruch aus der Überschrift nicht doch einen Funken Wahrheit in sich trägt.

Flüstern: Laut Duden definiert sich flüstern als mit tonloser, sehr leiser Stimme sprechen, oder als sehr leise, nur für wenige oder einen hörbar sagen. Nun, da dies geklärt ist, werfen wir einen Blick auf die, die sich diesen Begriff zu Eigen machen. 

Die Hundeflüsterer!

Der bekannteste von ihnen ist wohl ein Herr aus Mexiko, der in die USA „rüber gemacht“ hat und dort aufgrund eines glücklichen Zufalls, nämlich den richtigen Hund zur richtigen Zeit gequält zu haben, bekannt wurde.

Wenn ich mir die Sendungen des Herrn und die von ihm selbst im Internet zur Verfügung gestellten Videos (ja, seine Arbeit kann man durchaus beurteilen. Genügend Material steht ja zur Verfügung) so betrachte, dann sehe ich in diesen Clips und Filmchen sehr vieles. Geflüstert wird hier aber nicht.

Es werden grundsätzlich zuerst einmal Dominanz oder Rangordnungsprobleme festgestellt, die dann mit immer selbiger Taktik „geheilt“ werden. Da wird gezischt (Zischen ist nicht flüstern), gekickt, gezwickt, mit Gewalt auf den Rücken gelegt, gewürgt, und, und, und.

Nun kommen aber alle diese Begriffe in der Legaldefinition des Wortes „Flüstern“ in keiner Weise vor. Warum nennt man sich dann so?

Ist es, weil es eine tolle, vermarktbare Strategie ist? Den Wunsch der Menschen nach Ruhe und Harmonie befriedigt? Ist ein einzelnes Wort tatsächlich in der Lage, Menschen für Gewalt blind zu machen?

Die traurige Antwort auf diese Frage ist leider: JA!

Sobald sich jemand Hundeflüsterer oder Körpersprachler nennt, schalten die Menschen scheinbar in ihrer Beobachtung und ihrer Wahrnehmung komplett auf Durchzug. Da werden dann massive Leinenrucke als Impulse verkauft, das gezielte Schlagen gegen den Kehlkopf, das beim Menschen als gefährliche Körperverletzung eingestuft werden würde, wird beim Hund als „Korrekturbiss“ weggelächelt. Tritte in den Unterleib verkauft man als Stupsen und die Leute nicken zustimmend.

Würde irgendjemand auf die Idee kommen, einen lieben Freund oder Verwandten derart zu behandeln?

Ganz sicher nicht. Aber bei seinem eigenen Hund gibt man jemandem, für den es noch nicht mal zu einer korrekten Berufsbezeichnung reicht, sämtliche Rechte auf körperliche Unversehrtheit des Hundes ab. Bezeichnet man den eigenen Hund dann auch noch als „besten Freund“, „Familienmitglied“ und betont, „wie glücklich er ist“ und dass man seinem Hund „niemals wehtun würde“, dann wird es fast schon etwas pervers.

Menschen kaufen sich einen neuen Ofen, einen Kühlschrank, eine Digitalkamera oder ein Auto. Es werden tagelang Testberichte gewälzt, es wird sich informiert, Verkäufer werden befragt und ihre Aussagen kritisch hinterfragt. Man will sich ja nicht über den Tisch ziehen lassen und für etwas Geld ausgeben, das dieses gar nicht wert ist. Eine sehr vernünftige Einstellung.

Aber warum lässt man genau dieses Konsumverhalten komplett über Bord fallen, wenn es um ein Lebewesen geht?

Niemand hinterfragt, warum es notwendig sein soll einen Hund zu würgen oder ihm an der HWS herumzureißen. Keiner fragt, warum der Hundetrainer den Hund anzischt und ihn zwickt oder schlägt. Warum kommt keiner auf die Idee, einmal nachzufragen: „Hey, aus welchem Grund donnerst du meinem Hund eine Gießkanne auf dem Schädel? Kannst du es etwa nicht anders?“

Warum haben Hundeflüsterer eigentlich immer noch Konjunktur, wenn es doch wirklich tolle und qualitativ top ausgebildete „Kühlschränke, Digitalkameras, etc“ gibt, die den Hunden nicht wehtun müssen um sie zu erziehen.

Was ist der Grund, warum sich Menschen nicht fragen, warum Körpersprache automatisch Körperkontakt heißt?

Körpersprache sind Mimiken und Gestiken. Schlagen, treten, würgen und drohendes Blocken ist nicht körpersprachlich sondern einfach dämlicher Unfug.

Zusammenfassend bleibt also zu sagen, dass der Slogan: „Der Hundeflüsterer, ich kommuniziere mit Körpersprache“ wohl fachgerecht übersetzt so viel heißt wie:

„Der Unausgebildete, ich mache dämlichen Unfug!“

Nur würden dann noch viele Leute seine Dienste in Anspruch nehmen?

Zum Abschluss möchte ich für alle, die sich besonders etwas drauf einbilden, dass sie mit Körpersprache erziehen noch eines anmerken:

Wir alle kommunizieren mit Körpersprache, und zwar immer und zu jeder Zeit. Man kann nämlich nicht nicht kommunizieren. Körpersprache ist ein alltäglicher und normaler Begleiter unserer Kommunikation. Dies extra betonen zu müssen, gleicht in etwa der Aussage: „Im Übrigen, ich rieche mit der Nase!“

Somit kann man also getrost jedem „Hundeflüsterer“ einfach die drei Worte: „Wer flüstert, lügt!“ entgegnen und sich auf die Suchen nach einem richtigen Hundetrainer machen.